Auf dem Weg zur Bikinifigur

Bikinifigur

Seit «YoungMum» vor über einem Jahr online ging, habe ich viel über Kinder und das Familienleben berichtet. Trotz des unerwarteten Erfolgs des Blogs, der kürzlich unter den Top-20 der Schweizer Familienblogs gelistet wurde, möchte ich mich auf das Addendum des Titels besinnen, nämlich: «Mummy, Baby and Body Blog». Inmitten der dolomitischen Palmen am Ufer des Gardasees, am Fusse des Monte Baldo, unter den langersehnten Strahlen der italienischen Sonne merke ich, dass ich schon lange nichts mehr zum Thema «Body» geschrieben habe. Beim Anblick der schönen Italienerinnen, welche ihren surfenden, tätowierten, prächtig gebauten Männern vom Strand aus zuwinken, ihren Kindern gut gelaunt Bälle zuwerfen und sich im äusserst knappen Bikini mit cellulitefreien, wohlgeformten Oberschenkeln zeigen, empfinde ich vor allem eines: Frust. Es ist also an der Zeit, auf eine südländische Denkweise umzustellen.

Che bella ragazza!

Ja ich weiss, ich habe zwei Kinder geboren. Zwei wundervolle Kinder, welche jedes dazugewonnene Gramm Wert sind. Und trotzdem. Auch mir hat man mal nachgepfiffen. Und auch wenn ich damals knappe 16 Jahre alt war, essen konnte, was ich wollte und trotzdem nie zunahm, so bin ich überzeugt davon, auch mit 33 Jahren noch einmal mit dem Selbstbewusstsein von damals zu brillieren. Andere Männer sollen vor Neid zergehen, dass mein Mann eine so tolle Frau hat! Was für ein Glückspilz, sollen sie denken! Che bella ragazza!

Nägel mit Köpfen

Niemand weiss besser als ich, wie erschöpft man abends nach einem Tag mit zwei kleinen Kindern ist. Hinzu kommt die Gewissheit, dass man in der Nacht von zwei hungrigen Mäulern mindestens zwei Mal aus dem Schlaf gerissen werden wird. Das macht es nicht gerade leicht, an ein Training zu denken. Trotzdem beschliesse ich, mit dem Jammern aufzuhören und fortan Nägel mit Köpfen zu machen. Und plötzlich ist auch der Gedanke ganz nah, wie toll ich mich früher in meiner Haut fühlte.

Am nächsten Tag stehe ich mit Elan auf. In den nächsten zwei Stunden sind beide Kinder gewickelt, angezogen, satt und auch ich bin bereit, aus dem Haus zu gehen. Schnell packe ich beide Kinder in den Veloanhänger, schnalle sie fest, vergewissere mich, dass sie genug zu trinken haben und die Nuggis in Reichweite sind. Ab geht’s vom Ferienort Torbole Richtung Arco, dem italienischen Mekka für Kletterer.

Garda Bike Trail

Entlang des Flusses Sarca radle ich zufrieden vor mich hin und beschleunige auch mal im Sinne des Sports. Uch, eine kleine Steigung. Kein Problem! Schliesslich habe ich ein Ziel! Gut gelaunt fahre ich in der Ortschaft Maza vorbei an einem Wegweiser, welcher die Etappe des Bike Trails beschreibt. Zu diesem Zeitpunkt weiss ich noch nicht, dass dieser Weg gemäss offizieller Beschreibung einen mittleren technischen Schwierigkeitsgrad aufweist und mit einer Steigung von 550 Metern alles andere als geeignet ist für einen Veloanhänger, welcher zusammen mit den Kindern ¾ meines eigenen Gewichts ausmacht. Nun geht’s steil bergauf. Kopfschüttelnd überholt mich ein keuchender Italiener und signalisiert mir mit einer Handbewegung, dass ich mir viel vorgenommen habe.

Let’s do it!

Die Kinder sitzen gemütlich im Anhänger und lauschen dem Vogelgezwitscher. Also, dann ist das wohl der Startschuss zurück in einen sportlichen Alltag. Gewiss hätte ich mir einen weniger radikalen Anfang gewünscht. Eins zwei, eins zwei! Wann geht es endlich abwärts? Eins zwei, eins zwei! Warum kenne ich diese Tour eigentlich nicht nach zehn Jahren Ferien am Gardasee? Eins zwei, eins zwei! Let’s do it! Und auf einmal hab’ ich es geschafft. Die Aussichtsplattform (!) ist erreicht und es geht wieder abwärts Richtung Torbole.

Der einfache Weg

In den nächsten Tagen schaffe ich es tatsächlich jeden Tag eine Velotour mit den Kindern zu machen, auch wenn ich mich eher auf etwas flachere Landschaften beschränke. Da mein Mann teilweise arbeitet, habe ich jede Menge Zeit dafür. Leider sehe ich abends jeweils keinen Effekt im Spiegel. Aus diesem Grund verzichte ich zusätzlich auf das wunderbare, knusprige, nach Mandeln schmeckende Cantuccini zum Kaffee und mache alle paar Tage einige Rumpfbeugen. Doch ganz zufrieden bin ich nicht und beim Anblick der vielen Berge um mich herum, auf welche ich vor einigen Jahren mehr oder weniger problemlos geradelt bin, sagt eine spitzfindige Stimme in mir, dass ich mit diesen eher lahmen Velotouren jeweils den einfachen Weg gehe, anstatt mich richtig anzustrengen.

Ist dies nun erlaubt, als zweifache Mutter? Der schöne, leicht angedeutete Sixpack und die straffen Oberschenkel kommen jedenfalls nicht von alleine, auch bei den Italienerinnen nicht.

Herzlichst,

YoungMum

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