Die Zürcher Gemeinschaftszentren

Gemeinschaftszentren

Sandkasten, Rutschbahnen, kreischende Kinder und ihre Mütter – das sind die Zürcher Gemeinschaftszentren, abgekürzt ZGZ’s. Immer häufiger möchten sich Freundinnen von mir mit den Kindern in einem GZ treffen statt wie bis anhin am See oder bei jemandem zuhause. Wie kommt das? Es folgt eine Analyse dieses Trends.

Steigende Besucherzahlen

Im Auftrag der Stadt Zürich haben sie die Aufgabe, in Kultur und Bildung zu investieren und Freiräume für Austausch und Begegnung zu schaffen. In Zusammenarbeit mit der Bevölkerung der jeweiligen Quartiere werden laut lokalinfo.ch «Trends und Entwicklungen vor Ort» aufgenommen. Das scheint den Leuten zu gefallen: Zahlen vom letzten Jahr zeigen eine steigende Besucherzahl von 1,17 Mio. in ZGZ’s. Von Elternberatung, Kinderbetreuung über Streichelzoo bis hin zu verschiedenen Events bieten Gemeinschaftszentren eine Vielzahl von Angeboten für die Familie. Insbesondere für Mütter von Erstgeborenen haben sich Gemeinschaftszentren zu einer wichtigen Plattform für Austausch und Begegnungen entwickelt.

Kinder spielen und Mütter plaudern

Bei meinem Besuch des ZGZ’s Buchegg war ich entzückt, Lamas, Ponys und Esel zu sehen. Auch meine Tochter freute sich, obschon sie nach einigen «wiihiiia!» lieber in Richtung Sandkasten lief. Vorbei an den tollen Rutschbahnen auf der riesigen, grünen Wiese, lief ich ihr nach und stellte nebenbei fest, wie viele Leute eigentlich da waren. Von der super gestylten Mutter, die mir aufgrund ihres wunderbar kombinierten Outfits und ihrer schönen Hochsteckfrisur schon im Bus aufgefallen war, über ältere Besucher bis hin zu Sari tragenden Inderinnen sieht man alles. Mütter auf Picknickdecken am Plaudern, Mütter auf Bänken, Väter bei der Schaukel. Hier trifft man sich also an einem Nachmittag, an dem man Zeit mit seinen Kindern verbringen will.

Quartiertreffpunkte Stärken das Gemeinschaftsleben

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2013 zeigt, dass Quartiertreffpunkte massgeblich zur Stärkung des Sozialkapitals und der Netzwerkbildung beitragen. Es wurde festgestellt, dass sich viele Leute nach anfänglichen Café-Besuchen von einem Angebot besonders ansprechen liessen und daran aktiv mitwirkten. Sie engagierten sich freiwillig und knüpften neue Bekanntschaften.[1] Gemeinschaftszentren als Quartiertreffpunkte stärken somit das Gemeinschaftsleben.

Die Stadt machts möglich

Ich wohne mit meiner Familie ausserhalb der Stadt, wo wir auch ein Gemeinschaftszentrum haben. Doch jedes Mal, wenn wir nach dem Einkaufen noch kurz im GZ vorbeischauen, treffen wir auf gähnende Leere. Zwar ist der Spielplatz recht neu und eigentlich ganz schön aber nicht genug einladend. Ein Café gibt es nicht und auch keine Spielwiese. Das GZ in meiner Gemeinde scheint kein Treffpunkt für Mütter zu sein, die einen schönen Nachmittag draussen verbringen möchten. Warum kommt niemand hierher? Liegt es an den Leuten, die einfach keine Zeit oder Interesse haben? Oder liegt es am GZ selber? Fest steht, dass ich lieber in die S-Bahn steige und in ein GZ in der Stadt fahre. Hier scheint alles so lebendig, bunt und vielfältig. Die Stadt macht’s möglich.

Herzlichst,

YoungMum

[1] https://blog.hslu.ch/soziokultur/2016/08/10/freiwillige-pflegen-die-kultur-des-zusammenlebens/

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