Wer wird das nächste Genie?

Wer wird das nächste Genie?

Meine zwei Töchter im Alter von zwei und vier Jahren saugen Wissen auf wie ein Schwamm, deshalb denke ich oft über Erziehungs- und Entwicklungsfragen nach. Frühförderung beschäftigt mich besonders, vor allem, da wir jetzt passende Strukturen in unseren Tagesablauf integrieren sollten. Wir gehen zwar gerne ins Schwimmbad, fahren jeden Tag Laufrad und Lesen jeden Abend Gutenachtgeschichten, wir haben aber (noch) keine fixen Termine wie z.B. Turnen, Ballett oder musikalische Frühförderung. Ist es an der Zeit, Kinder mit mehr Strenge zu fördern? Wer wird das nächste Genie?

Das Erziehungsexperiment von Polgár

Das Erziehungsexperiment von László Polgár aus den Achtzigern zeigt, dass durch richtige Erziehung jedes Kind ein Genie werden kann. Polgár entschloss seine drei Töchter gezielt zu fördern mit dem Ziel, Genies zu schaffen. Seine Theorie beruht auf folgenden drei Hauptpfeilern: erstens muss ein spezielles Interessengebiet schon früh entdeckt und danach mit aller Härte gefördert werden, zweitens muss sich mindestens ein Elternteil nur mit der Erziehung der Kinder beschäftigen und drittens müssen die Kinder zuhause unterrichtet werden, um jegliche zeitraubenden Beschäftigungen zu meiden.[1] Das Resultat war, dass alle drei Töchter von Polgár Weltmeisterinnen im Schachspiel wurden. Polgár meinte, dass genetische Veranlagungen keine Rolle spielten, Erfolg sei zu 99% harte Arbeit. Seine älteste Tochter Susan, heute 46 Jahre alt, stimmt dem zu. Das einzige, was sie in ihrer Kindheit vermisste, in der jede Tagesaktivität bis auf die Minute genau geplant war, war einfach mal Dummheiten zu machen, ins Kino zu gehen oder einfach nur herumzuhängen.[2]

Strenge Erziehungsmethoden als Schlüssel zum Erfolg?

Werden aus solch streng erzogenen Kindern unglückliche und unsoziale Wesen? Aus Susan Polgár ist jedenfalls eine intelligente, sympathische Ehefrau und Mutter geworden.

Auch in China ist man von harten Erziehungsmethoden überzeugt. Amy Chua, Juraprofessorin an der Yale-Universität und Kind einer alten chinesischen Gelehrtenfamilie, schwört auf hartes Musiktraining als Erziehungsmethode. Chua meint:

Die Geige ist für mich das Symbol für Kultur und Geschichte, das Gegensymbol zu Kentucky Fried Chicken, Computerspielen und Markenklamotten. Am Klavier und an der Geige zeigt sich, ob eine Zivilisation dem Untergang trotzt.[3]

Die richtige Methode

Gerne glaube ich das, denn auch ich habe ein Klavier zuhause und möchte, dass meine Töchter einmal darauf spielen. Die Frage bleibt, ob man ein Kind mehr oder weniger streng fördern sollte, oder lieber auf Eigenentwicklung setzt, wie im Buch von Pamela Druckerman über Erziehungsgeheimnisse aus Paris zu lesen ist. In Frankreich gehe man nicht etwa ins Babyschwimmen, um Babys das Schwimmen beizubringen, sondern um sie mit dem Element Wasser vertraut zu machen. Kinder werden nicht mit Druck gefördert, man gibt ihnen einfach Impulse und lässt ihrer Entwicklung freien Lauf. In diesem Beitrag bin ich näher auf diese Methode eingegangen.

Fakt ist, dass jedes Kind in einen bestimmten Familienalltag hineingeboren wird. Das Kind passt sich der Familie an – wer schon hat die Möglichkeit, sein ganzes Leben für sein Kind umzustellen, es alleine zuhause zu unterrichten und es in einer bestimmten Disziplin so extrem zu fordern? Bei uns zuhause wurde jedenfalls immer Klavier gespielt und somit steht fest, dass auch unsere zwei Kinder bestimmt mal Klavierspielen werden. Zu erwarten ist aber, dass die Kinder das Tempo und die Intensität mitbestimmen werden, so dass ihnen ihr Hobby immer noch Spass macht.

Herzlichst,

YoungMum

[1] Die Weltwoche, Geniale Kinder, 19.01.2016

[2] Psychology Today, The Grandmaster Experiment, 01.07.2005

[3] Zeit Online, Wer hat Angst vor dieser Frau? 17.01.2011

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