Spielzeug – geht es auch ohne?

Spielzeug

Kinderspielzeug – es geht auch ohne

Ich möchte dies, ich möchte jenes – unsere Kinder wollen immer mehr, leben in einem Land, in dem alles verfügbar ist. In einem Wohlstandsland, in dem eben die Grossmutter ein neues Spielzeug kauft, wenn Mama und Papa auf die Bremse treten. Wie wichtig sind Spielsachen überhaupt? Sollte man das Spielen ohne Spielsachen fördern? Gerade jetzt, wo die Geschenkesaison naht, lohnt es sich, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Die Bedeutung von Spielzeug

Spielen ist mehr als eine blosse Freizeitbeschäftigung, es hat eine grosse Bedeutung für eine gesunde physische und soziale Entwicklung des Kindes. Spielzeug dient dazu, Alltagssituationen nachzuahmen und auch zu verarbeiten. Im Spiel werden die ersten Beziehungen aufgebaut, mit anderen Kindern, Puppen oder auch mit Fantasiegestalten. Ausserdem entwickeln Kinder durch das Spiel ihre Kreativität.

Braucht es Spielzeug überhaupt?

Zum Spielen brauchen Kinder vor allem eins: andere Kinder. Mir ist kürzlich aufgefallen, wie selig meine zwei Töchter mit einer simplen, grossen Kartonschachtel spielen können. Einmal dient sie als Transportmedium vom Korridor zum Wohnzimmer, einmal dient sie als Puppenbett, dann wieder als Häuschen, um sich vor Mama und Papa kichernd zu verstecken. Spielsachen, die etwas seltener auf dem Grund der Spielkiste landen sind solche, welche mehrere Funktionen haben können: ein Stapeltier aus Holz, das man ziehen kann oder ein Zauberstab, der mit etwas Fantasie zum Kochlöffel wird. Sind noch andere Kinder bei uns zu Besuch, rühren sie tatsächlich kaum Spielsachen an.

Das Experiment: ein Kindergarten ohne Spielzeug

Wie bei Fritz und Fränzi berichtet wurde, verzichtete ein Kindergarten in Rahmen eines Suchtpräventionsprojektes (http://www.akzent-luzern.ch) während 3 Monaten komplett auf Spielsachen. Ein Umfeld, in welchem Kinder aus Langeweile heraus kreativ werden, fördere laut Christina Thalmann, Projektverantwortliche bei «Akzent», wichtige Schutzfaktoren wie z.B. die Erweiterung der Sprachkompetenz, Kommunikationsstrategien oder Bewältigungsstrategien in Konflikten. Die Kinder hatten kein Spielzeug, um das sie sich hätten streiten können, trotzdem wurden die Kinder lauter im Kindergarten: sie mussten mehr besprechen und ausdiskutieren.

Wie fördern wir das Spielen ohne Spielsachen?

  1. Spielsachen-Geschenke reduzieren. Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk auf eines reduzieren. Familienmitglieder informieren und lieber darauf bestehen, dass die Kinder etwas bekommen, dass sie brauchen und nicht zwingend wollen (beispielsweise einen Skihelm).
  2. Spielsachen sortieren und Ordnung bewahren. Eine riesige Spielkiste voller Plastik-Krimskrams hat vermutlich einen geringen Wert für die Entwicklung eines Kindes. Spielsachen, die aber einen definierten Platz und eine Funktion haben, die für das Kind auch zugeordnet und leicht gefunden werden kann, ist wertvoller. Beispiel: Toniefiguren an einen definierten Platz legen, Barbie-Kram an einem Ort, Tücher und Kostüme an einem anderen.
  3. Spielsachen im Secondhand Laden gratis abgeben oder einfach wegräumen, um sie nach einer Weile wieder rauszunehmen und die Kinder aufs Neue dafür zu begeistern.

Minimalismus anstreben

In einer Welt, in der Kinder fast alles haben können (also in der Schweiz), ist es besonders wichtig, Grenzen zu setzen. Gewöhnen sich Kinder daran, immer wieder etwas zu bekommen, werden sie zu Konsumenten. Hat ein Kind 20 Barbiepuppen, verliert jede einzelne an Bedeutung. Hat ein Kind nur eine einzige Puppe, werden dieser vielleicht mehrere Rollen zugeteilt, was die Kreativität fördert. Ausserdem lernt das Kind, sich mehr mit den zur Verfügung stehenden Dingen rundherum zu beschäftigen, was allen das Leben leichter macht. Vielleicht ist Weihnachten gerade ein guter Zeitpunkt, um eine Bastelstunde mit viel Aufmerksamkeit zu schenken, anstelle einer weiteren Barbiepuppe.

Herzlichst,

YoungMum

 

 

 

 

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